Tradierte Lesegewohnheiten



Eigentlich ist es paradox – noch nie war der Zugang zu Information so einfach wie heute. Die Beurteilung eines Ereignisses oder Sachverhalts durch unterschiedliche Medien lässt sich nahezu mit dem Wisch eines Fingers nachvollziehen. Doch im Verhältnis zu dieser historisch einmaligen Situation sind wir vergleichsweise schlecht informiert. Ein Mangel an Inhalten ist dabei nicht das wesentliche Problem. Wir sind mit einer regelrechten Informationsflut gesegnet. Doch die gegenwärtige Aufbereitung der Inhalte macht es nahezu unmöglich, Relevanz von marktschreierischen Nichtigkeiten zu unterscheiden. Auf den Websites der einst noch abonnierten und physisch in der Hand gehaltenen Tageszeitungen reiht sich lediglich Headline an Headline. So scrollen wir tage- und nächtelang durch Newsfeeds und Timelines, klicken dabei hin und wieder auf vermeintlich Interessantes und sammeln in unserem Browserfenster ungeöffnete Tabs mit Texten, die wir ungelesen wieder schließen werden.